Einblick (in die ‘Kriebelsphere‘)

Alles begann mit der Präsentation ihrer ersten, sehr unkonventionellen Strickkollektion im Malkasten in Düsseldorf. Als Autodidaktin hatte sie sich das Wissen über die verschiedenen Stricktechniken im Hand- und Maschinenstrick angeeignet und eine Kollektion entwickelt, die sich von der herkömmlichen Strickmode zu dieser Zeit abhob und Aufsehen erregte. 

Die Modeagentur Klauser stellte nach Durchsicht der Kollektion den Kontakt mit der PR Agentur K in München her, die zu diesem Zeitpunkt auch den belgischen Designer Martin Margiela vertrat. Durch Aufnahme in die Agentur startete der internationale Vertrieb ihrer Kollektionen bis nach Japan.

Bereits mit 11 Jahren verfolgte sie leidenschaftlich und stringent ihr Ziel Modedesign zu studieren. Mit 16 bezog sie mit ihrer Nähmaschine und einem Zeichentisch ihren eigenen Bauwagen. Dort entstanden nach ihren Zeichnungen erste Kleidungsstücke. Sie absolvierte eine Schneiderlehre, um die klassische Handwerkskunst zu erlernen und im Anschluss daran folgte ein Modedesignstudium in Trier und Madrid.

Inspiration

Ihre Kollektionen, die auf einer Neuauslegung und Dekonstruktion von Mode basieren, beinhalten unter anderem einen Strickpullover, der anstelle von Ärmeln Strümpfe hat, bei denen der Ellbogen in der Ferse ruht (1995). In der Mützenkollektion findet man Mützen mit Handytasche (1995), mit Kopfhörertasche (2015), Mützen mit Ohrschnecken (1995), mit Nasen- oder Kinnwärmer (1996) oder Basecaps mit integrierten Brillenetuis (2001). Flirt- und Fanshirts (2000), mit HELLO!- oder HURRAY!- Print unter den Achseln, die beim Heben der Arme eine Botschaft an das Gegenüber abgeben. 

Die ‚scheinbar‘ ungewöhnliche Kombination von Elementen aus der Mode oder der Verbindung von Alltagsgegenständen mit einem Kollektionsteil, löst oftmals Verwunderung aus und hat so Menschen miteinander ins Gespräch gebracht – Ihre Mode ist ein Kommunikationsverstärker. 

Tanjas Entwürfe sind ausgefallen, aber immer tragbar.

Die Kollektionsteile lösen sich nicht durch immer neue Kollektionen ab, sondern werden durch neue Entwürfe ergänzt. Durch diese Vorgehensweise kann jeder Entwurf, auch Jahre nach seiner Entstehung, neu erworben werden. Keine künstlich erzeugte Knappheit, die zum Kauf drängt; ihre Kund(inne)en müssen nicht auf ihr Lieblingsstück verzichten. 

Respekt

Tanja ist der respektvolle Umgang mit ihren MitarbeiterInnen, Partnern und KundInnen sehr wichtig. Einige Mitarbeiterinnen begleiten sie schon von Anfang an, man ist international und pflegt ein familiäres Miteinander und so sind von Jahr zu Jahr weitere MitarbeiterInnen dazu gekommen. 

Inhalt(s)stoffe

Tanja Kriebel steht für Slow Fashion. Die Produktion der Muster- und Kollektionsteile erfolgt ausschließlich in Deutschland, aus hochwertigen Stoffen und Garnen, aus Italien, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz, die aus Überproduktionen anderer Labels stammen. Sie verwendet vorhandene Stoffe und lässt für ihre Kollektionen schon seit einiger Zeit keine neuen Stoffe mehr weben. Darum ist die Stückzahl, die entstehen kann, begrenzt. Diese Einschränkung sieht sie als ihre kreative Herausforderung, aus jedem Stoff, den sie findet, einen neuen Entwurf entstehen zu lassen.

Sie legt dabei Wert auf langlebige Qualitäten mit hohen ökologischen Standards, einen schonenden Umgang mit Ressourcen und eine sorgfältige Verarbeitung. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und um sich ihre kreative Freiheit für andere interessante Designprojekte zu bewahren, verzichtet sie aktuell auf die Besuche von Modemessen und vertreibt ihre Kollektionen über ihren Laden und ihren Onlineshop.